WS 2026/27 · TU Graz · Andreas Lechner & Peter Kaschnig   Themenkreise

sTudio aichfeld

1 Natur / Wasser                
2 Raster / Weg
                   
3 Räume / Programm        
4 Symbolik / Infrastruktur  

[Murtopia & Brücke/Wasserwirtschaft]
[Autopia & Gewerbe/Industrie]
[Plains of Id/Wohnen + Wohnen/Mixed Use/Kultur]
[Foothills/Temp. Wohnen/Kirchen/Friedhöfe]











Das Aichfeld ist keine Stadtlandschaft, sondern eine territoriale Maschine. Das größte inneralpine Becken der Steiermark entstand nicht um einen historischen Kern, sondern aus Kohle, Eisen und Bahn. 

Industrie, Energie, Militär, Land- und Forstwirtschaft und Wasserbau liegen bis heute übereinander; der Red Bull Ring legt eine Schicht aus Event und globaler Sichtbarkeit darüber. Nichts wurde ersetzt, alles wurde überlagert.

Im Oktober lesen und kartieren wir dieses Becken. Ende Oktober führt eine Feldwoche zu den Orten und Akteuren, die es prägen, ab November entwerfen wir in Zeltweg Um-, An- und Weiterbauten am Gleiskörper zwischen Hauptstraße und Bahnstraße, überspannt von einer Fußgängerbrücke.



Leitfragen


Sechs Fragen verbinden drei Grundlagentexte (Banham, XDGA, Libert) mit dem Aichfeld. Alle Gruppen bearbeiten sie, bevor sie in ihre eigenen Themen gehen.

  1. Ökologien statt Zonen. Was lehrt Banhams wertungsfreier Blick auf Los Angeles eine Region, die ohne historischen Kern entstanden ist?

  2. Nach der Zersiedelung. Wie zerlegt XDGAs „After-Sprawl“ einen Raum in Schichten, und wird der Freiraum dabei Rest oder Struktur?

  3. Wo sitzt die Architektur? Als Objekt, als Typus oder als Infrastruktur? Und der Außenraum: als Hintergrund, als Netz oder als eigentliches Projekt?

  4. Fünf Orte, kein Zentrum. Wo liegen im Aichfeld ‘Surfurbia’, ‘Autopia’, die ‘Plains of Id’ und die ‘Foothills’, und welche Schicht trägt das Becken?

  5. Immanente Objekte. Welche Bauten messen ihre Landschaft, und wie werden sie bewohnbar, ohne ihre Figur zu verlieren?

  6. Zeltweg. Ist der Gleiskörper mit seiner Fußgängerbrücke selbst ein solches Objekt, und was folgt daraus für Um-, An- und Weiterbauen?


Arbeitsweise: Kartieren ist Entwerfen


Jede Karte wählt aus, misst und behauptet eine Ordnung. Als Legende dienen die fünf Begriffspaare aus Cédric Liberts Objets immanents (2016): Figur und Maß · Geometrie und Informalität · Vordergrund und Hintergrund · Programm und Unbestimmtheit · Organisation und Laisser-faire.

Libert lässt Studierende drei Großbauten als Eichmaß ihrer Landschaft lesen. Im Aichfeld finden sich Entsprechungen:

Bei LibertIm Aichfeld
Aerotrain-Viadukt bei Orléans: die Linie in der EbenePiste des Fliegerhorsts, Rudolfsbahn, S36
Flughafen Tempelhof: Ring, Feld, überschriebene FigurRed Bull Ring, Fliegerhorst
Berlin als Fragment: Bruchstücke neu zusammensetzenZeltweger Gleiskörper mit Gichtturm und NAPIAG
Stausee Vassivière: das künstliche NullniveauMurkraftwerke Unzmarkt und Fisching, Flussaufweitung Weyern
keine EntsprechungFörderturm in Fohnsdorf über knapp 1.200 m Teufe

Gezeichnet wird in Serien, Abwicklungen, Typenreihen, Schwarzplänen, gleichen Ausschnitten, Niveauschnitten und einem gemeinsamen Atlas. Die Farben sind festgelegt: Schwarz ist Befund, Grau Abstraktion, Rot Behauptung.


Die vier Gruppen


Jede Gruppe verbindet zwei geografische Lesarten, einen Bautyp städtischer Mischnutzung und einer der vier Ökologien nach Reyner Banham mit einem Querthema.

GruppeLesartenBautypÖkologie (Banham)Querthema
1 · CyanNatur & Wasserbewohnbare BrückeSurfurbiaRelikt: Infrastruktur in der Landschaft
2 · GrauRaster & Wegemehrgeschossige Gewerbe- und IndustriehalleAutopiaMuseum: Halle und Maschine
3 · Magenta

Räume & Programmkurzfristiges Wohnen mit Büro und BildungThe Plains of IdKonsum: Gegenbild zum Zentrum
4 · RotSymbolik & Infrastrukturtemporäres Wohnen, ApartmentsFoothillsMilitär: die Großanlage

Semesterklammer für alle ist After-Sprawl von Xaveer De Geyter Architects (2002).

1—Farbe: CYAN #00FFFF

2—Farbe: MAGENTA #FF00FF

3—Farbe: YELLOW #FF00FF

4—Farbe: RED #ff0000




Landschaft als Typologie


Im Aichfeld lassen sich Bebauung und Landschaft nicht trennen: Flussregulierung, Trassen, Leitungen, Deponien und Abbauflächen sind gebaute Systeme. Landschaft ist im Studio deshalb kein grüner Ausgleich, sondern Teil des typologischen Atlas, gegliedert in Produktions-, Infrastruktur-, Rest- und Wasserlandschaften. An einen Entwässerungsgraben oder eine Halde stellen wir dieselbe Frage wie an eine Halle: Welche Kapazitäten hält sie für neue Nutzung bereit?


Semester



  1. 8. Oktober: Studioauftakt, Gruppenzuteilung, Layer und Darstellungsregeln.
  2. 15. Oktober: 4 Gruppen-Referate zu 1 Territorium, 2 Quellen und 3 Gegenkartografie.
  3. 27.–30. Oktober: Feldwoche im Aichfeld - Individuelle Grundstücke werden festgelegt.
  4. ab 5. November: Atlas überarbeiten, Entwurfsauftakt am Zeltweger Gleiskörper.
  5. 19.–26. November: Typus: Analyse 1:200, Fragment 1:50.
  6. 10. Dezember: Zwischenpräsentation mit Gastkritik.
  7. 7.–21. Jänner: Transformation, Vertiefung, Ausstellungsvorbereitung.
  8. 28. Jänner 2027: Öffentliche Schlusspräsentation im Bildungscampus Zeltweg.


Für alle Gruppen


Gemeinsame Grundlagen (Dropbox)

  • Xaveer De Geyter Architects: After-Sprawl. Research for the Contemporary City. Rotterdam: NAi Publishers / Antwerpen: deSingel 2002.
  • Reyner Banham: Los Angeles. The Architecture of Four Ecologies. London: Allen Lane 1971.
  • Cédric Libert (Hg.): Objets immanents. Brüssel/Paris: BlackWhiteRainbowProductions 2016.
  • Flanders Architecture Institute (VAi): Flanders Architectural Review und Projektdatenbank des VAi.
  • Ergänzend:
    • Heidi Pretterhofer, Dieter Spath, Kai Vöckler: Land. Rurbanismus oder Leben im postruralen Raum. Graz: Haus der Architektur 2010.
    • André Corboz: „Das Territorium als Palimpsest“ (1983). In: Die Kunst, Stadt und Land zum Sprechen zu bringen. Bauwelt Fundamente 123. Basel: Birkhäuser 2001.


Regionale Literatur



  • Andrea Gleiniger: Szyszkowitz + Kowalski. Tübingen/Berlin: Wasmuth 1994.
  • Helmut Lackner, Karl Stocker: Fohnsdorf. Aufstieg und Krise einer österreichischen Kohlenbergwerksgemeinde in der Region Aichfeld/Murboden. Graz 1982.
  • BMLVS (Hg.): Die dritte Dimension. Militärluftfahrtausstellung Zeltweg. Wien 2013.
  • nextroom.at / Architekturzentrum Wien: Objektdatenblätter zu Rieß (Judenburg), Szyszkowitz + Kowalski (Volksschule Großlobming) und Domenig & Wallner (Red Bull Ring).
  • Baukultur Steiermark: GerambRose-Landpartie 04 (Unzmarkt, Fisching, Weyern) und Landpartie „Holzbau im Wandel der Zeit“ (Zeltweg, Judenburg).



















Assoc. Prof. Dr. Andreas Lechner · +43 664 130 3255 · andreas.lechner@tugraz.at · www.AndreasLechner.at
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