Das Aichfeld ist keine klassische Stadtlandschaft sondern ein zusammenhängender Lebens-, Wirtschafts- und Infrastrukturraum. Gebäude, Produktionslandschaften, Bahn- und Verkehrsinfrastrukturen, militärische Areale, Energie, Landschaft und Freiräume sind Teile eines territorialen Gefüges dessen heutige Struktur seit dem 19. Jahrhundert aus der Überlagerung von Kohlebergbau, Eisenindustrie, Bahn, Energie, Militär, Land- und Forstwirtschaft enstand. Auch nach dem Ende des Bergbaus blieb diese räumliche Logik wirksam. Industrie und Maschinenbau, der Fliegerhorst Hinterstoisser, der überregionale Bahnknoten, Landwirtschaft und der Red Bull Ring bilden heute weitere Schichten einer Landschaft, in der nichts vollständig ersetzt wurde, sondern vieles nebeneinander fortbesteht. Gerade darin liegt ihr Potenzial als Labor für territoriale Transformation, Umbau und Weiterbauen.
Das Studio beginnt mit dem genauen Lesen des Vorhandenen. Kartierung, Zeichnung und Vergleich machen räumliche Beziehungen sichtbar und fragen danach, was dauerhaft, veränderbar, entbehrlich oder neu interpretierbar ist. Typologie wird dabei nicht als Klassifikation, sondern als operative Methode verstanden: sehen, vergleichen, unterscheiden, transformieren. Das Ziel ist eine begründete architektonische Urteilskraft darüber, welche bestehenden Strukturen künftig andere räumliche, gesellschaftliche oder kollektive Aufgaben übernehmen können.
Aus dieser Arbeit entsteht ein Zukunftsatlas des Aichfelds: eine neue kartografische Lesart der Region, Szenarien für ausgewählte Standorte und Themenfelder sowie konkrete architektonische und städtebauliche Vorschläge. Im Zentrum stehen dabei nicht abstrakte Zukunftsbilder, sondern die Potenziale des bereits Gebauten und Erschlossenen – von kleinen Interventionen bis zu größeren regionalen Projekten.
Weiter konkretisiert werden Entwürfe in der geografischen und infrastrukturellen Mitte des Beckens: in Zeltweg, entlang des Gleiskörpers zwischen Hauptstraße und Bahnstraße. Der heute fragmentierte Verkehrsraum wird als mögliches räumliches Gerüst für Wohnen und Mischnutzung, Gewerbe, Mobilität, Energie, Bildung und gemeinschaftliche Nutzungen untersucht. Umbau, Ergänzung und Freiraumgestaltung sollen hier keine neue Stadt auf leerem Grund erzeugen, sondern vorhandene Strukturen verdichten, verbinden und neu lesbar machen.
Das Studio versteht Architektur damit als eine Praxis des Lesens, Urteilens und Weiterbauens. Entscheidend ist nicht, alles Bestehende zu erhalten, sondern jene räumlichen Möglichkeiten zu erkennen und weiterzuentwickeln, die für das Aichfeld künftig von Bedeutung sein können. Die Ergebnisse werden Ende Januar 2027 am Bildungscampus Zeltweg öffentlich präsentiert und als Grundlage für eine weitere Diskussion über die Zukunft der Region verstanden.
Lehre: Andreas Lechner, Peter Kaschnig
Künstlerische Dokumentation, Fotografie: Tom Biela
Studienassistenten: Laura Juch, Aaron Chocholaty
Studierende: Edi Alidema, Ben Arifi, Dalila Bilibani, Quinten Brunner, Christoph Engler, Egli Hasmegaj, Viktoria Haspl, Leon Kollar, Thomas Kulmhofer, Katharina Lamprecht, Florian Maier, Ella Annemarie Neumeyer, Sascha Penaso, Timo Reitbauer, Timon Trattner, Simon Trenkwalder
In Kooperation und Abstimmung mit der Stadtgemeinde Zeltweg.
© Tom Biela, Panorama nach Süden – Aichfeld, 2026